MOVING LAB
Ein Prozess zur Erforschung und Erneuerung choreografischer, methodischer und technischer Essenzen
Das Vorhaben innerhalb des Recherchestipendiums “ Atelier X” ist als Labor angelegt – ein Raum des Forschens, der Wahrnehmung und der langsamen Entwicklung. Hier dürfen Prozesse Zeit brauchen, um ihre eigene Qualität zu entfalten. Das MOVING LAB folgt dem Prinzip der Entschleunigung. Wie ein Zaubertrank, der Zeit zum Wirken braucht, entsteht hier auch künstlerische Qualität durch geduldiges Kombinieren verschiedener Elemente. Zeit im Studio, weekly walks und ein Aufenthalt in Sevilla formen die Gefässe für die Praxis – Bewegung, Klang, Material und Wahrnehmung sind die Zutaten. In diesem Zusammenspiel sollen sich neue Impulse und Erkenntnisse für zukünftige Arbeiten entfalten können.
WEEKLY WALK
Die Weekly Walks sind ein Raum für Verlangsamung, Wahrnehmung und Reflexion. Durch die Wiederholung desselben Weges werden Veränderungen sichtbar – in der Landschaft, im Körper und in den Fragestellungen der Recherche. Die Spaziergänge bilden eine Brücke zwischen Alltag und künstlerischer Praxis.
MOVEMENT SESSIONS
Im Rahmen des MOVING LAB entwickelte sich aus dem Forschungsschwerpunkt Wahrnehmung & Intuition der Wunsch, meine improvisationsbasierte Bewegungspraxis für andere Menschen zu öffnen. Aus der individuellen Recherche im Studio entstand so ein gemeinsamer Erfahrungs- und Forschungsraum, in dem körperliche Wahrnehmung, Bewegung und kreative Prozesse im Zentrum stehen. Daraus entwickelten sich unterschiedliche Formate wie Somatic Movement Practice oder Movement in Nature.
RAUM & KOMPOSITION
Im Austausch mit der Künstlerin Claudine Ulrich dokumentierte ich ihre Installation Streifzug 3 fotografisch und filmisch. Die Zusammenarbeit eröffnete neue Perspektiven auf Raum, Licht und Wahrnehmung und wurde zu einem wichtigen Impuls für den Forschungsschwerpunkt Raum & Komposition.
KLANG & KÖRPER
Der Aufenthalt in Sevilla bildete einen wichtigen Bestandteil des MOVING LAB. Täglicher Unterricht bei Ursula und Tamara López, Privatstunden und eigene Studioarbeit ermöglichten mir, meine Verbindung zum Flamenco neu zu beleben und zu vertiefen. Dabei wurde mir die besondere Qualität von Rhythmus, Musikalität und klaren Strukturen erneut bewusst. Die Rückkehr zum Flamenco half mir, meine improvisationsbasierte Praxis im zeitgenössischen Tanz deutlicher von der strukturierten Arbeit im Flamenco zu unterscheiden.
Zurück in der Schweiz setzte ich diese Auseinandersetzung als Tänzerin in einer Produktion der Compagnie Ladina Bucher fort. Dabei erhielt ich neue Einblicke in die Entstehungsprozesse zeitgenössischer Flamencostücke. Besonders inspirierend war die Zusammenarbeit mit den Kathak-Tänzerinnen und die Begegnung der beiden Tanztraditionen. Die Produktion wurde im Theater Stok in Zürich aufgeführt.
Im Rahmen des MOVING LAB entschied ich mich, anhand ausgewählter Stücke aus Bizets Oper Carmen die strukturierte choreografische Arbeit mit Flamenco und Danza Estilizada meiner improvisationsbasierten Praxis gegenüberzustellen. Die Zusammenarbeit mit Kulturschock bot mir die Gelegenheit, die entstandenen Choreografien in fünf Aufführungen zu präsentieren – drei im Gaswerk Seewen sowie je eine im Neubad Luzern und in der Galvanik Zug.
BILDSERIE GRUBEN
In der Gruben in Zürich begegneten sich Bewegung und Fotografie in einem offenen Experiment. Wir liessen uns auf den Ort und seine Atmosphäre ein, folgten unseren eigenen Impulsen und gaben einander Raum, ohne viel zu besprechen. Während ich mit Bewegung und Präsenz experimentierte, erkundete Jérémie Luke mit Folien, Filtern und ungewöhnlichen Perspektiven die fotografischen Möglichkeiten. Die Bildserie entstand aus diesem freien Zusammenspiel.
Pictures by ©Jérémie Luke
Pictures by ©Jérémie Luke
MATERIAL UND OBJEKT
Im Rahmen des MOVING LAB erforschte ich Materialien und Objekte als Ausgangspunkt für Bewegung und Improvisation. In der Werkstatt meines Vaters untersuchte ich unterschiedliche Materialien auf ihre Eigenschaften und ihr Bewegungspotenzial. An der Muota entstand zudem eine Bildserie als erste Annäherung an das Material Organza. Die daraus gewonnenen Impulse und Fragestellungen werde ich in zukünftigen künstlerischen Projekten weiterverfolgen.
ERKENNTNISSE & AUSBLICK
Nicht jede Mischung hat funktioniert. Manche Zutaten haben kaum miteinander reagiert, andere unerwartete Verbindungen geschaffen und Neues hervorgebracht. Gerade darin lag ein wesentlicher Teil der Recherche.
Aus dem anfänglich offenen Experimentieren entwickelte sich eine zunehmende Differenzierung. Es wurde deutlicher, welche Praktiken sich gegenseitig verstärken, wo Spannungen produktiv werden und welche Ansätze einen eigenständigen Raum brauchen.
Das Sortieren, Trennen und Neuverbinden wurde so selbst zu einer zentralen Erkenntnis des MOVING LAB. Einzelne Forschungsfelder haben sich zu eigenständigen Praxisformaten entwickelt, andere bilden die Grundlage für zukünftige künstlerische Projekte.